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am 12. Jänner 2017

Interview mit Clara, Beruf: Hermes Radbotin

Konrad Tolar, Wolfgang Kamptner - Hermes ist der Götterbote der griechischen Mythologie. Wir haben mit Clara von den "Hermes RadbotInnen" über ihre Arbeit als Botin, unseren Bezirk und vieles mehr geredet.

Clara
Meet Clara!

Was sind die besten Radverbindungen der Leopoldstadt?

Clara: Das kommt drauf an, wohin man will. Als Radbotin hat man sehr viele Schleichwege in petto. Zwischen Czerningasse und Praterstraße gibt es sehr viele Häuserdurchgänge, die man benutzen kann. Ich persönlich bevorzuge Strecken, wo ich möglichst wenige Ampeln habe.

Was wünscht du dir von der Stadtverwaltung?

Clara: Dass die Schmelzgasse für RadfahrerInnen gegen die Einbahn geöffnet wird und dass es eine Verbindung durch das Nordbahnhofgelände gibt, mitten durch von der Nordbahnstraße zur Engerthstraße.

Was muss man im Winter beim Radfahren beachten?

Clara: Dass man in Zwiebelschichten angezogen ist, Schuheinlagen, Wollsocken. Kotflügel. Für den Winter finde ich Fäustlinge empfehlenswert.

Wie oft hast du schon an einem Alleycat teilgenommen?

Clara: Ich habe welche organisiert und bin mitgefahren. Seit 2010 regelmäßig, mehrere pro Jahr. Ich habe hin und wieder gute Plätze errungen. [zweimalige Europameisterin, Anm. d. Red.] Es gibt Europameisterschaften, Weltmeisterschaften, nationale Meisterschaften. 2017 finden die europäischen Meisterschaften in Wien statt. Da oben steht ein Pokal. Es gibt nämlich auch Preise für den letzten Platz, der ist aber nicht von mir.

Empfiehlst du uns ein Radgeschäft?

Clara: Für den zweiten Bezirk? RIH und Starbike sind super. Sator ist günstig.

Wo trifft sich die Fahrradszene in Wien?

Clara: Das Radlager baut alte Räder auf und verkauft sie. Es gibt das Gagarin, ein Kollektiv, das ist auch im Umkreis der Bike-Kitchen entstanden. Es gibt sehr viele verschiedene Fahrradszenen in Wien, es ist die Frage, wen man anspricht, BotInnen, Critical Mass, Polo, feministische Radfahrerinnen. Für jede Gruppe gibt es einen anderen Treffpunkt, manchmal überschneidet es sich, manchmal nicht.

Was unterscheidet Hermes von anderen Radbotendiensten?

Clara: Wir fahren nur mit dem Fahrrad, wir haben Anhänger, wir haben ein Lastenrad. Wir sind ein Kollektiv. Jeder darf und soll mitentscheiden, jeder muss sich engagieren. Und wir haben eine 50%ige Männerquote in einem männerdominierten Job.

Also eine Maximumquote für Männer?

Clara: Sozusagen.

Wie schaut's aus mit dem Entlohnungsmodell bei Hermes?

Clara: Wir haben einen Stundenlohn. Wir fahren als Team und nicht als Einzelkämpfer auf der Strafle. Man kann Pakete aufteilen, wenn mehrere Sendungen von verschiedenen Punkten kommen, aber zur selben Straße gehen, dann treffen sich zwei BotInnen und übergeben Sendungen.

Was sind die größten Gefahren beim Radfahren?

Clara: Unaufmerksame andere Verkehrsteilnehmer, nämlich Autofahrer, Fußgänger, Fahrradfahrer. Dass man nicht blinkt, ist ein Beispiel.

Eignen sich alle Radverkehrsanlagen zur Benützung mit Anhänger?

Clara: Ja, aber wenn man gegen die Einbahn auf einem Mehrzweckstreifen fährt, dann fragt man sich, ob sich das ausgeht, aber es geht sich aus.

Gibt es irgendein anderes Transportmittel, mit dem man in der Innenstadt so schnell zustellen kann wie mit dem Fahrrad?

Clara: Nein!

Was wären die Probleme mit einem Motorrad?

Clara: Das darf nicht durch die Fuflgängerzone fahren. Man darf nicht auf den Mehrzweckstreifen fahren. Obwohl es im ersten Bezirk noch nicht so viele in die Gegenrichtung geöffnete Einbahnen gibt, ist es sehr toll, dass die Wipplingerstrafle jetzt offen ist. Es gab einmal die Idee, die Habsburgergasse zu öffnen, das ist noch nicht passiert, aber zum Glück darf man bald beim Kohlmarkt fahren, aber auch nur in eine Richtung, bis 10.30 Uhr. [demnächst wird eingeschränkt und probeweise am Kohlmarkt und in angrenzenden Bereichen das Radfahren erlaubt sein, Anm. d. Red.] Ich verstehe nicht, dass man als Radfahrer nicht auf der Kärntner Straße fahren darf, weil Autos und Lastwagen dürfen fahren, am Vormittag. Das ist sinnlos. Eine Querverbindung vom Donaukanal Richtung Museumsquartier wäre schön.

Gibt es Tage im Winter, an denen man nicht Rad fahren kann?

Clara: Nein.

Hast du Spikesreifen?

Clara: Nein. Man fährt langsamer, wenn's Schnee hat. Ich persönlich mag aber dieses Spannungsverhältnis, im Schnee zu fahren, dass man auf der einen Seite sehr locker sein muss, aber auf der anderen Seite hochkonzentriert. Wien ist ja nicht so sehr verschneit.

Gäbe es denn einzelne Ampeln, wo man Rechtsabbiegen bei Rot erlauben sollte?

Clara: Das wäre toll.

Welche Fahrradinitiativen gibt es in der Leopoldstadt?

Clara: Die Radlobby in der Lichtenauergasse, die Mobilitätsagentur. Außerdem ist Hermes hier.

Was willst du unseren LeserInnen noch mitteilen?

Clara: Fahrt Rad! Unterstützt die kleinen Geschäfte in der Leopoldstadt, geht nicht zu den großen Konzernen. Es ist auch wichtig, den ansässigen Buchhandel zu unterstützen und nicht bei Amazon zu bestellen.

Danke für das Gespräch!