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am 8. April

Dem Rassismus die Stirn bieten – Aufruf zu couragiertem Handeln

Konrad Tolar - Was tun, wenn das eigene Kind von der Schule abgemeldet wird, ohne dass eine Ersatzlösung angeboten wird? Dieses konkrete Problem der Diskriminierung konnte bei dem interkulturellen Podiumsgespräch im Rahmen des 1. Afrieurotext-Straßenfestes leider nicht gelöst werden. An dieser und ähnlichen Äußerungen wurde aber spürbar, wie drängend das Problem des Rassismus und der Diskriminierung ist.

Unter dem Motto „Dialog, Toleranz und Akzeptanz als Garanten für ein friedliches Zusammenleben“ diskutierten unter der Moderation des bekannten Journalisten Simon Inou​ drei engagierte KämpferInnen gegen den Rassismus und fanden vielversprechende Antworten.

Daniel Romuald Bitouh, der Leiter des Kulturvereins Afrieurotext​ vergleicht Menschen mit Buchstaben. Durch die Interaktion zwischen Menschen entstehe Bedeutung. Dass der Dialog geführt wird, ist ihm ein großes Anliegen. Diesen Dialog möchte der Verein auch mit seiner Buchhandlung in der Lassallestraße anregen, in dem vor allem afrikanische, aber auch europäische Literatur sowie allgemein Kunst und Literatur von mehreren Kontinenten angeboten wird. Bezirksrat Niki Kunrath von den Grünen Leopoldstadt, ehemaliger Generalsekretär von SOS Mitmensch, und Christa Bauer, die das Mauthausenkomitee Österreich vertrat, vervollständigten die Gesprächsrunde im Grätzelzentrum am Max-Winter-Platz am 30. März 2019.

In der Diskussion wurde an die kaum gewürdigte Rolle von Soldaten aus den Kolonien, die in den beiden Weltkriegen gekämpft hatten, erinnert. Daniel Romuald Bitouh kritisierte diktatorische Tendenzen in heutigen Demokratien. So konstruiere man Feindbilder und verwende Wörter wie "Horden" oder "Flutwelle" in der Migrationsdebatte. Niki Kunrath machte deutlich, dass Dialog nicht dazu führen dürfe, dass man Neonazis Verständnis entgegenbringt. Er plädierte für Aufklärung und Information. Christa Bauer sagte, sie beobachte, dass Rassismus heute mehr toleriert werde als früher. Sie rief zu Zivilcourage bei Rassismus und Mobbing auf, in der Hoffnung, dass auf diese Weise eine Kettenreaktion in Gang gesetzt werden würde.

Wortmeldungen aus dem Publikum wiesen auf Rassismus in allen gesellschaftlichen Gruppen hin, auch in solchen gesellschaftlichen Umgebungen, in denen man Rassismus wohl eher nicht vermuten würde. Es sei schlimm, wie durch den Besuch bestimmter Schulen eine soziale Trennung entstehe. Es wurde für Diversität, insbesondere beim Lehrpersonal, plädiert.​

Das Podium nahm die Thematik der Schule auf. Die Wichtigkeit der Diversität wurde betont, Christa Bauer forderte insbesondere eine stärkere Arbeit in diese Richtung mit Jugendlichen und berichtete von konkreten Erfahrungen. Daniel Romuald Bitouh rief dazu auf, in Vereinen sowie in Kunst und Politik einen Gegendiskurs aufzubauen.

Deutlich wurde an diesem Abend, wie sehr Rassismus nach wie vor das Leben vieler Menschen beeinträchtigt und erschwert. Als Gegenstrategien wurden Zivilcourage, Gegendiskurs und Diversität genannt. Diese drei Gegenstrategien wurden als gangbare Wege aus aktuellen Krisenerscheinungen bei der Veranstaltung spür- und erlebbar.