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am 2. Februar

Danke, Ute Bock

Uschi Lichtenegger - Tausende nahmen heute beim Lichtermeer von Ute Bock Abschied. Auch wir Leopoldstädter Grünen waren dabei.

Meine Erinnerungen​ an die Frau des Jahres in der Leopoldstadt 2007.

Flüchtlingshelferin Ute Bock ist nach schwerer Krankheit am Freitag, dem 19. Jänner 2018 verstorben. Erst am Wochenende darauf konnte ich innehalten und begreifen, dass Ute tatsächlich gestorben war. Es war ein trauriges Wochenende, an dem ich in alten Fotos von uns stöberte und viele Erinnerungen an gemeinsame Momente nach langem Schlaf wieder zum Leben erweckt wurden. Wir haben die Kämpferin für die Anerkennung und für die Rechte der Flüchtlinge verloren. Ihre Zivilcourage, ihre unermüdliche Solidarität und ihr Respekt allen Menschen gegenüber werden uns immer im Gedächtnis bleiben, vor allem auch durch die Tausenden Menschen, denen sie im Laufe der Jahrzehnte geholfen hatte. Mein Mitgefühl gilt ihrer Familie und ihren Schützlingen. Ich wünsche ihnen viel Kraft in dieser schweren Zeit.  

2006 zog Ute Bock in die Leopoldstadt in ein Haus nahe dem Bezirksamt, wo ich sie auch persönlich kennenlernen durfte. Das Haus Ecke Große Sperlgasse/Karmelitergasse wurde für ein paar Jahre nicht nur ihr Zuhause, sondern hier wohnten Familien mit Kindern, Tausende hatten hier ihre Meldeadresse, welche wichtig war für die Bescheidzustellung im Asylverfahren. Deutsch- und Computerkurse fanden tagsüber in Räumen statt, die nächtens Schlafstatt für jene wurden, die nicht einmal ein Bett hatten. Ein Netzwerk von UnterstützerInnen brachte Essen und Kleidung und sorgte für Ute Bocks Schützlinge. Mit Ute Bock kam Menschlichkeit in den Bezirk Leopoldstadt!

Die resolute Kämpferin für einen Mindeststandard an Menschenrechten in unserem Land arbeitete bis zu ihrer Pensionierung als Sozialarbeiterin und Erzieherin. Anfang der Neunziger Jahre schickte das Jugendamt die ersten ausländischen Jugendlichen in das von ihr geleitete Gesellenheim in der Zohmanngasse. Zunächst waren es Kinder aus Gastarbeiterfamilien, dann immer mehr minderjährige Flüchtlinge, die in Österreich um Asyl ansuchten. In der Zohmanngasse wurde niemand abgewiesen und so wurde Ute Bock die Adresse für Jugendliche, die niemand wollte. Schon zu dieser Zeit organisierte und finanzierte Ute Bock privat Wohngemeinschaften, die sie in ihrer freien Zeit betreute.

Seit ihrer Pensionierung im Jahr 2000 kümmerte sich „Mama Africa“ oder „Mama Bock“, wie sie von vielen ihrer Schützlinge liebevoll genannt wurde, ganztags um die Asyl Werbenden. Rasch umfasste ihr Projekt 60, später über 100 Wohnungen, großteils in der Leopoldstadt, in denen mehr als 500 Menschen ein Zuhause fanden.

Auch diese Bemühungen waren Ute Bock aber nicht genug, als die ersten Asylwerber kamen, durften diese nicht arbeiten, da begann sie mit den VHS gemeinsam Deutschkurse oder Kurse für einen Hauptschulabschluss zu organisieren, die sie alle aus eigener Tasche bezahlt hat.

Ich habe Ute Bock als eine herzliche, weltoffene und Persönlichkeit von ansteckender Vitalität kennengelernt. Bis spät in der Nacht war Licht und Ute Bock freute sich, wenn frau kurz anklopfte und fragte, was anliegt, wo ich denn helfen könnte..  

Ute Bock war Mitbegründerin der Rassismusfreie ZoneN. Gemeinsam mit Josef Iraschko, Bibi Haag, Gerald Grassl, Ernst Toman, Franz Wagner und Dora Schimanko organisierten wir Aktionstage und Aktionswochen, wo KünstlerInnen gegen Rassismus und Diskriminierung musizierten, performten, diskutierten und viele Projekte vorstellten. Ute Bock erzählte gerne Geschichten ihrer Schützlinge, wo Familien oder Jugendliche alleine über Tausende Kilometer zu Fuß im 21. Jahrhundert flüchten. Filme zeigen sie bei ihrer Arbeit und ihre Geschichten werden in Büchern wiedergegeben, im Volkstheater findet „Die Reise“ kein Ende, die DarstellerInnen erzählen ihre persönliche Geschichte von Flucht und Überleben.

Ute Bock war eine Kämpfernatur im positivsten Sinne, auf die der 2. Bezirk und Wien sehr stolz sein dürfen! Sie setzte sich für jene Menschen ein, die vor Verfolgung, Krieg und Hunger flüchten mussten und denen die Politik ihre Hilfe versagte.

Sie fand auch Anerkennung, für ihr soziales Engagement wurde sie mehrfach ausgezeichnet, zB mit dem UNHCR Flüchtlingspreis (2000), dem Bruno-Kreisky-Preis für Menschenrechte (2002) oder dem Dr. Karl Renner-Preis (2003), von SOS Mitmensch wurde der Ute-Bock-Preis für Zivilcourage 2000 ins Leben gerufen, 2007 ehrten die Grünen Leopoldstadt Ute Bock zur Frau des Jahres.

Ute Bock suchte lange unermüdlich Unterstützung für „ihr“ Haus in der Zohmanngasse und das Projekt gelang. Dank großartiger Unterstützung wurde das Haus saniert und Ute Bock zog 2012 wieder nach Favoriten!  

Der Kontakt mit Ute Bock blieb, für die Rassismusfreie Zone organisierten wir Treffen im 10. Bezirk, wir luden sie auch immer wieder in die Leopoldstadt ein. Lange Zeit organisierte ich auch weiterhin Kleidertransporte vom 2. In den 10. Bezirk. Erst Utes Schlaganfall unterbrach den intensiven persönlichen Kontakt.  

Meine Freundin Ute, du fehlst.


Auch Fanny, Andrea, Niki, Dominik, Konrad, Cosma, Uschi und Verena nahmen am Heldenplatz von Ute Abschied